Zeitlosestes Design oder “Ich liebe diesen Körper”

Der größte Hai ist der Walhai mit einer maximal Länge von “völlig übertriebenen” 20 m (in echt eher 13m), einer der kleinsten wäre der Laternenhai, der mit ca. 20 cm schon Geschlechtsreife erlangt. Diese Beispiele zeigen, dass die Proportionen stark variieren können (um den Faktor 10²).

Für die Fortbewegung im Medium Wasser ist eine strömungsgünstige Form besonders wichtig. Da Wasser rund tausendmal dichter ist als Luft, ist dort mit erheblich größeren Widerstandskräften zu rechnen.
Das knappe Nahrungsangebot erfordert ebenfalls einen sehr effizienten Umgang mit den Energieressourcen.

Die Evolution hat die Haie zu nahezu perfekten und energetisch gesehen zu äußerst günstig ausgelegten Schwimmern gemacht.

Der Grund für die energiesparende Fortbewegung des Hais ist seine enorm strömungsgünstige und erstaunlich widerstandsarme spindelartige Körperform. Mithilfe von Strömungsversuchen im Wasserkanal haben Forscher für Haie Widerstandsbeiwerte (cw-Werte) von unter 0,05 ermittelt (Was einer OPTIMALEN Stromlinienform entspricht).
Schon das Profil eines Sportwagens erzeugt einen zehnmal größeren Widerstand, was sich auch in einem entsprechend größeren Energieverbrauch niederschlägt.

Der Hai hat neben seiner Form auch andere Tricks um sich widerstandarm und somit strömungsgünstig und energiesparend Fortzubewegen: Seine Plakoidschuppen (siehe Shark-Basics 15.05.15). Seine Körperform und Haut sind Vorbilder für Bioniker, um strömungsgünstigere Wasserfahrzeuge zu entwickeln.

Die Spindel ist ähnlich einem Formel-1 Wagen: Vorne sehr flach, in der Mitte hoch und rund, hinten wieder verjüngt!
Stromlinienförmiger geht nicht!!!
Wir gehen hier nicht auf spezielle Körperformen ein, die eine Anpassung an bestimmte Nischen widerspiegelt.
Der Haikörper besteht aus:

– Kopf, von der Schnauze bis zur Kiemenregion (höhe der Brustflosse).

– Rumpf, vom Schultergürtel bis zur Kloake.

– Schwanz, von der Kloake bis zum Endlobus der Schwanzflosse.

Der Kopf besteht aus der vor den Augen und Mund liegenden Schnauze, der Orbitalgegend (Augen) und der Branchialgegend (Kiemenspalten und Spiraculum). Das Spiraculum wird im Volksmund als Spritzloch bezeichnet, dieser Ausdruck ist irreführend, da es ausschließlich zum Ansaugen von Wasser genutzt wird, also ist es eher ein Saugloch.
Das Spiraculum ist bei vielen Arten reduziert worden, vor allem bei den Ram-Ventilierern (Haie, die permanent schwimmen müssen um zu atmen). Bei alle Carcharhiniden ist es reduziert, die einzige Ausnahme ist hier der Tigerhai (Galeocerdo cuvier).
Es wird vermutet, dass Haie, die am Boden liegen, entweder über den Mund atmen, indem sie buccale Pumpbewegungen vollziehen, Wasser über das Spiraculum einsaugen, oder beides tun…
Eine modernere Theorie besagt, dass Tiere, die Spiracula aufweisen, obwohl sie nicht am Boden leben, sie dazu nutzen, die bei einem Fressakt an der Wasseroberfläche aufgenommene Luft, durch diese „Spritzlöcher“ wieder abzulassen (Weißer Hai)… Wobei dann der „falsche“ Name für das Spiraculum wieder richtig wäre.

Der Rumpf erstreckt sich von den paarigen Brustflossen zu den paarigen Bauchflossen inklusive Kloake und Kluspern (Pterygopodien) bei Männchen.

Der Schwanz ist wiederum unterteilt in:
– Precaudal Partie (erstreckt sich von der Kloake bis zur precaudal Grube (Schwanzbasis) inklusive der unpaarigen Analflosse, wenn vorhanden) und
– Caudalpartie.

Die erste Rückenflosse befindet sich in der Regel auf dem Rumpf, die zweite (wenn vorhanden) auf der precaudalen Region des Schwanzes.
Der Schwanz ist bei den meisten Arten asymmetrisch (heterocerk), meist ist der obere Lobus größer. Bei manchen Arten, wie z.B. beim Mako (Isurus oxyrhinchus) ist der Schwanz symmetrisch (homocerk und arbeitet isobatisch), dies deutet auf einen schnell schwimmenden Hai hin (ca. 80 km/h, was unter Wasser äußerst schnell ist).

Bei all diesen Regionen gibt es von Art zu Art zum Teil enorme Unterschiede in Größe und Form. Bei manchen Arten befindet sich zur Verstärkung des Schwanzes bzw. zur Stabilisierung des Körpers, seitlich noch laterale Kiele. Dieser Kiel ist zur Verstärkung der Schwanzbasis äußerst wichtig, ohne ihn würde bei Beschleunigungen, der Schwanz sehr wahrscheinlich abreißen: Die enorm großen Kräfte, die entstehen und auf den Schwanz als resultierende Kraft der Rumpfmuskulatur übertragen werden, wäre für einen unverstärkten, kleinen schmalen Übergang von Körper zu Schwanz viel zu hoch…

In diesem Beitrag ging es lediglich um „Äußerlichkeiten“, die “inneren Werte” werden nach und nach noch besprochen.

Euer Pascal