Haie haben im Volksmund einen sehr schlechten Ruf vor allem weil angenommen wird sie würden alles was rumschwimmt ob Essbar oder nicht direkt fressen… Das entspricht natürlich nicht der Wahrheit. Es gibt sicher Haiarten die als opportunistisch einzuordnen sind. Das heißt sie essen was kommt, auch wenn sie es nicht direkt einordnen können, ein Musterbeispiel für solch ein Verhalten bietet der Tiger Hai (Galeocerdo cuvier). Das bedeutet aber nicht dass er sich direkt auf jeden Menschen stürzt dem er begegnet… 

Menschen sind recht groß und stellen für den Hai eine potentielle Gefahr dar, und in dem Falle sind auch Tiger Haie vorsichtig.

Man hört immer wieder von „Schrott“ der in den Mägen von Tiger Haien gefunden wird… Dass mag stimmen, aber es ist auch nicht geklärt was an diesem „Schrott“ so unwiderstehlich ist. Ist dieser metallische Schrott geladen, dass er für Hai-Sinne nach etwas lebendem Aussieht, oder hat sich gar Beute darunter versteckt, oder festgehalten (Oktopus)… Es ist einiges erdenklich warum Metallteile im Magen eines Haies landen kann. 

Aber sicher ist dass Tiger Haie keine Menschenfresser sind (und auch sonst kein Hai), würde ein Jäger eine so leichte Beute, die so häufig vorkommt verschmähen wenn er sie „mögen“ würde… Nein!
Man muss sich vor Augen halten dass Millionen von Menschen tagtäglich in Haigebieten schwimmen… und Menschen wären sehr sehr leichte Beute, wenn sie den Beute wären! Sie gehören einfach nicht in das Beutespektrum eines Hais, Basta!

Viele Hochsee-Haie haben ein sehr breites Beutespektrum. Die Hochsee ist als Wüste zu begreifen, sie ist nicht mit Nahrung gefüllt, das bedeutet für Haie dass sie jede potentielle Beute auskundschaften müssen (deshalb kommen Hochseehaie auch oft sehr nahe an Menschen heran). Dementsprechend haben sie ihr Beutespektrum erweitern müssen. Blauhaie (Prionace glauca) sind sogar in der Lage Plankton aus dem Wasser zu filtrieren, sie sind darin nicht spezialisiert und es muss vom Plankton auch genügend vorhanden sein (Planktonblüte). Für diese Zwecke haben sie ein Reusenapparat ausgebildet.

Trotz allem sind die meisten Haie sehr „Wählerisch“ was ihre Nahrung angeht, und sind auf ein kleines Beutespektrum spezialisiert. Haie sind nun mal Karnivoren und sie töten zum überleben.

Man kennt drei planktonfressende Arten den Riesenhai (Cetorhinus maximus), den Wahl Hai (Rhincodon typus), und den Riesenmaulhai (Megachasma pelagios) sie sind Musterbeispiele für solche Spezialisierungen. Sie haben sich unabhängig voneinander entwickelt und legen somit auch verschiedene Strategien an den Tag. 
Riesenhaie sind sogenannte „RAM-feeder“, sprich sie haben während der Nahrungsaufnahme ihr überdimensionales Maul weit offen während sie ununterbrochen durch Planktonblüten schwimmen. 
Die Strategie die Wahlhaie nutzen nennt man „suction-feeding“, sie saugen quasi das Plankton und auch kleine Fische (alles was ihnen vor das Maul gerät) in hohen Konzentrationen aus dem Meerwasser ab. 
Riesenmaulhaie sind auch „suction-feeders“ haben aber ihre Effizienz durch lumineszierendes Gewebe innerhalb des Maules gesteigert. Durch das Leuchten wird das Plankton angelockt…
Diese drei Arten (und der Blauhai) haben eine Art Siebapparat entwickelt der das Wasser filtriert bevor es aus den Kiemenspalten entweicht. 
Dieser Reusen- oder Siebapparat ist aus Odontoden gebildet. Es sind lange dünne Filamente die dieses Sieb aufbauen. Die Beute wird in diesem feinen Netz gefangen und in großen Portionen heruntergeschluckt. Man kann sie als Analogon zu den Walbarteln sehen. 
Die Wissenschaft weiß von Riesenhaien dass sie einmal im Jahr das Oberflächen Wasser verlassen um tieferes Wasser aufzusuchen, während dieser Zeit wird der Reusenapparat abgeworfen und neu gebildet. Obwohl diese Arten ihre Zähne zur Nahrungsaufnahme nicht brauchen, besitzen sie trotzdem welche. Sie sind im Vergleich mit anderen Haiarten sehr klein, sind aber während der Balz und Paarung von primordialer Wichtigkeit. Während der Paarung haben männliche Riesenhaie sehr abgenutzte Zähne, es wird vermutet dass es vom halten bzw. beißen der Partnerin herrührt. 
Es ist interessant zu sehen dass die Größten unter den Haien die Planktonfresser sind. Plankton ist ein sehr ergiebiges, energiereiches Nahrungsmittel und diese Arten müssen kein Energiezerrenden Wettlauf mit ihrer Beute veranstalten, sind es diese Gründe die es ihnen erlaubt diese Größe zu erlangen? Diese Frage hat sicherlich mit der Energiebilanz zu tun, außerdem muss so ein Planktonfresser nicht agil, schnell und wendig sein…

Eine andere Frage jedoch ist noch nicht geklärt. Wie wissen diese Tiere wo die Planktonblüten sind? Sie tauchen immer dort auf wo es Plankton im Überfluss gibt… ist es ihr Geruch der sie dort hinführt, oder vielleicht ein anderer Sinn, lernen sie von Generation zu Generation wann sie wo sein müssen, nutzen sie alle Möglichkeiten, oder sind morphogenetische Felder dafür verantwortlich? … Es wird angenommen dass sie in der Lage sind ein Stoffwechsel-Abfallprodukt (Dimethylsulfid) von Kopepoden und anderen Krebstierchen im Zooplankton zu riechen wenn diese in Phytoplankton Blüten „grasen“… Diese Frage ist jedoch bis heute von der Wissenschaft nicht ganz geklärt…

Nachdem wir jetzt große Tiere mit kleinen Zähnen betrachtet haben gehen wir jetzt zu den kleinen mit den großen Zähnen. Ein anderer in Frage Nahrungserwerb sehr spezialisierter Hai ist der Zigarrenhai (Isistius brasiliensis und Isistius plutodus) auch „Cookiecutter“ genannt. Dieser Hai hat im in Relation zu seiner Körpergröße die größten Zähne unter den Haien (Er wechselt die ganze Zahnreihe auf einmal. Siehe Shark-Basics: Schuppen und/oder Zähne). Er hat relativ kleine Zähne im Oberkiefer und sehr große Säge ähnliche Zähne im Unterkiefer, welche im Gegensatz zu anderen Arten im Unterkiefer nur als einzelne Reihe vorhanden sind. Er ist in der Lage Kreisrunde Fleischstücke aus großen Fischen, Haien und marinen Säugern mit seinen Zähnen heraus zu schneiden. 
Der Beißvorgang wurde noch nie beobachtet, aber es wird vermutet dass er sich mit dem Gebiss an der Beute festklammert bzw. einrastet, indem er sich mit seinen dicken Lippen festsaugt um den Beißbereich abzuschotten. Der Körper wird dann so gedreht dass er ein sauberes, kreisrundes Stück Fleisch aus der Beute herausschneidet, ähnlich der Funktionsweise eines Stanzringes. Daher kommt auch der Name „Plätzchenstecher“ (Cookiecutter), da die Wunde aussieht als wäre ein „Fleisch-Keks“ ausgestochen worden! Diese Wunden werden bei Großfischen wie z.B. Tunfische oder auch bei Walen oder Robben recht häufig gesehen. Aber auch das Transatlantische Telefonkabel oder Gummiteile von Atom-U-Boote (z.B. Sonardome, Hydrophobe usw.) weisen auch solche „Wunden“ auf… Man wusste lange nicht woher diese „Verletzungen“ herrührten, bis man auf diesen kleinen „Kerl“ stieß, der dadurch berühmt und berüchtigt wurde.

Der Zigarrenhai ist nicht sehr muskulös hat schmale Flossen und ist recht klein. Wie also kann er schnellschwimmenden Großfischen Stücke aus der Haut schneiden? Zigarrenhaie sind an ihrer Bauchseite dicht mit Photophoren (Leuchtorgane) bedecken, außer in der „Kragen-Region“, hier besitzen sie einen dunkel Pigmentierten Bereich der nicht leuchtet. Die Biolumineszenz dient im Tierreich in den meisten Fällen der Tarnung. Dieser Trick genannt „Gegenillumination” ist sehr raffiniert. Von der Tiefe aus betrachtet vermag das Leuchten der Bauchseite der Helligkeit der Wasseroberfläche entgegenzuwirken, sprich das vom Körper absorbierte Licht wird durch das Bauchleuchten ausgeglichen, somit kann er von unten nicht gesehen werden. Aber jetzt kommt die Raffinesse des Zigarrenhaies erst wirklich ins Spiel. Der dunkle Fleck in der Kragenregion täuscht die Silhouette eines kleineren Fisches vor, da ja nur dieser Bereich sichtbar ist. Außerdem wird vermutet dass Zigarrenhaie in kleinen Schulen umherschwimmen, und somit ihrer Beute einen kleinen Fischschwarm vorgaukeln. Der Zigarrenhai täuscht seiner Beute (jagender Großfisch), Beute vor… Und der Jäger wird zum gejagten! Auf diese Weise können große Fische und Robben angelockt werden und trotz seiner dürftigen Schwimmfähigkeit in Angriffsnähe gebracht werden. zudem scheint unser Cookiecutter sehr gute Augen zu besitzen die ihn befähigen den Angriff seiner Beute zu erkennen und rechtzeitig ein entsprechendes Ausweichmanöver zu tätigen und dann zuzuschlagen. Spannend ist dass der eigentliche Köder, der nicht lumineszierende Bereich ist.

Pascal