Vom Ei zum Hai… (Teil 1)

Das Thema Vermehrungs-Strategie ist komplex und vielfältig (genau wie das Vokabular!), aus diesem Grund wird dieses Kapitel in 2 Teilen besprochen. Viel Spaß beim Lesen von Part 1:

Haie haben interne Befruchtung, Lebendgeburt und sogar eine Art Plazenta (Mutterkuchen) entwickelt, lange bevor die Natur auch nur die „Idee“ des Säugers ausgestaltet hatte. Leider wird die Lebendgeburt oft den Säugern zugeschrieben!

Haie produzieren nur eine kleine Anzahl an relativ großen Nachkommen, mit sehr guter Überlebenschance (auch K-Strategie genannt im Vergleich mit dem minimalen Prozentsatz an Knochenfischen, die sich erfolgreich aus einer enormen Menge von in der Laichzeit produzierten kleinen Eiern entwickeln, als R-Strategie bekannt).

Die Fortpflanzung kennt bei Haien viele Formen, jede diese Form benötigt jedoch einer internen Befruchtung.
Die verschiedenen Vermehrungs- Strategien können vorerst in zwei übergeordnete Kategorien geteilt werden welche die fötale Ernährung betrifft: Lecithotrophie (vom Dotter lebend), bei der die gesamte Entwicklung des Embryos vom Dotter bewerkstelligt wird; und Matrotrophie (von der „Mutter“ lebend), wo zumindest Teile der Entwicklung über zusätzliche mütterliche Nährstoffe bewältigt wird.
Ferner sollten die Vermehrungsmodi auch danach unterschieden werden ob die Entwicklung außerhalb (Oviparie) oder innerhalb mütterlichen Körpers (Viviparie) von statten geht.

In der Regel findet die Befruchtung nach einer „Balzperiode“ statt, mit letzterer versichert sich das Männchen die Kooperation des Weibchens. Die Paarung wurde bisher nur bei sehr wenigen Arten beobachtet (z.B. bei Weißspitzen Riffhaien (Triaenodon obesus), bei Ammenhaien Ginglymostoma cirratum oder bei Zebrahaien (Stegostoma fasciatum)). Haie müssen ihre Körper ziemlich verwinden wenn die Kopulation erfolgreich sein soll, um dies zu bewerkstelligen Verbeißen sich die männlichen Haie an dem Weibchen (in die Flossen, Rücken usw.), um sie in die richtige Position zu bringen. Dann wird einer der beiden Klasper (verlängerte und aufgerollte Bauchflosse, die mit dieser Umgestaltung als „Penis“ dient) eingeführt damit die Spermapäckchen in die Kloake bzw. in den Uterus des Weibchens gelangen. Hier kommen dann die Odontoden am Ende der Klasper (Pterygopoden) zum Einsatz (Siehe Kap. Schuppen und Haut).
Bei kleineren Arten muss es nicht so rabiat zugehen, manche der kleineren Arten verwickeln bzw. verwinden sich ineinander.

Oviparie (aus einem Ei schlüpfend) ist ein lecithotropher (von Dotter lebend) Modus der Vermehrung. Nachdem die großen dotterreichen Eier befruchtet sind entsteht eine ledrige, strukturell komplexe und bemerkenswert widerstandsfähige Schutzhülle um das Ei. Bei Oviparie können zwei Typen unterschieden werden: Erstens die einfache (=externe) Oviparie und die multiple (=thesaurierte) Oviparie. Die erstere Form ist die einzige Art der Vermehrung bei Heterodontiformes (und bei der Batoid Familie Rajidae), bei einigen Orectolobiformes und bei der Carcharhiniformes Familie Scylorhinidae.
Hierbei werden die Kapseln (Eier) in Tages- oder Wochenintervallen direkt nach Befruchtung und Kapselproduktion einzeln, gelegt (bzw. Paarweise: eins pro Gebärmutter (Uterus) (Haie besitzen zwei Uteri)). Es werden um die 10 Eier, aber für einige wenige Arten auch bis zu hundert über die Laichsaison abgesetzt.
Sie werden vorsichtig an einem günstigen Platz auf dem Grund verankert, so dass sie in Sicherheit in der „Kinderstube“ entwickeln können. Die Verankerung an einer Struktur am Grund gelingt durch zwei lange verwundene Knorpelfädchen die zur Kapsel gehören. Oft ist es sogar so dass zuerst nur diese Fäden herausgucken, diese verwickeln sich dann an einer Struktur und der Hai kann dann das Ei vorsichtig „herausziehen“…
Beim Port Jackson Hai hat die Eikapsel eine Schraubenähnliche Windung: Wenn das Ei von der Dünnung hin und her geschoben wird verkeilt es sich oftmals in Felsspalten, und ist somit für potentielle Räuber nicht mehr zu erreichen. Ja, schon die Form der Kapsel kann für das Überleben entscheidend sein.

Die Entwicklung im Ei kann bei manchen Arten bis zu einem Jahr dauern, als einzige Nahrungsquelle besitzt das Embryo den Dottersack. Nach dem schlupfen fällt der nun fast leere Dottersack ab, und der Hai sieht nun so aus wie eine Miniaturausgabe der Eltern.
Während dem Aufenthalt in der Kapsel entkommen sie so manchen Räuber in dem sie einen Trick anwenden. Um Jägern die ihre Atmung hören zu entkommen, können die im Ei gefangenen Haie ihre Atmung stoppen wenn ein Jäger in der Nähe ist. Sie nehmen den potentiellen Räuber mit ihren schon funktionierenden Lorenzinischen Ampullen wahr.

Um die Zeit in der die Eierräubern ausgeliefert sind zu verkürzen haben manche Haiarten eine besondere Strategie entwickelt, das wäre die oben schon genannte multiple Oviparie. Die Eikapseln werden einige Monate im Eileiter (Oviduct) zurückgehalten. Somit verweilen die Eier nur noch wenige Wochen am Grund verankert. Diese Strategie ist nur von einer kleinen Anzahl von Scylorhiniden (und vielleicht einem Orectolobiformen) bekannt. Der Vorgang Eier zu legen die außerhalb des Körpers schlüpfen ist als Oviparie bekannt. 40% aller Haie folgen dieser Strategie.

Der Rest hat eine Reihe von Fortpflanzungsstrategien entwickelt die unter dem Sammelausdruck Viviparie bekannt sind.

Euer Pascal