Geschichte über die Physiologie der Tauchmedizin

Im 18. Jahrhundert schrieb J. S. Haldane über Taucher, die Arbeiten unter Wasser durchführten und schon wenige Minuten nach erreichen der Oberfläche einen Schwächeanfall erlitten. Bald darauf verlor der Taucher das Bewusstsein, und sein Puls verschwand, und innerhalb weniger Minuten war er tot.
In einem Bulletin der französischen Akademie der Medizin aus dem Jahr 1869 beschreibt der Autor, Dr. Gent, eine Reihe von Symptomen, die seiner Ansicht nach bei denjenigen, die sie aufweisen, gegen eine Beschäftigung als Taucher sprechen.

Zu den Betroffenen zählen folgende Personen:

  • Männer mit kurzen Hälsen und stark durchblutetem und rotem Gesicht.
  • Männer die an Kopfschmerz leiden, leicht taub sind oder kürzlich ein laufendes Ohr hatten.
  • Männer die schon Blut gespuckt oder gehustet haben oder die unter erhöhtem Puls leiden.
  • Männer, die sehr blass sind, deren Lippen eher blau als rot sind, die unter kalten Händen und Füßen leiden und einen, wie man gemeinhin sagt, schwachen Kreislauf haben.
  • Männer mit blutunterlaufenen Augen und Roten Wangen, die ein feines, aber deutliches Netz von Äderchen zeigen.
  • Männer, die starke Trinker sind und sich und unter Rheuma oder einem Hitzschlag litten.

(Quelle: Tim Ecott: Abenteuer in einer anderen Welt)

Mit diesen genannten Punkten der Medizinischen Tauchanforderungen lag Dr. Gent 1869 auf dem richtigen Weg der heute genannten Tauchtauglichkeitsanforderungen für Berufs- als auch für Sporttaucher.

Die Dekompressionskrankheit ist selbst bei Nichttauchern ein Begriff, der mit dem Tauchen in Verbindung steht. Die Dekompressionskrankheit ist eine ernsthafte Bedrohung des Tauchers. Das sollte jedem der zum tauchen geht Bewusst sein.

Die Dekompressionskrankheit beobachtete man als erstes an Arbeitern die unter Druck an Brücken, Tunneln und tiefen Fundamenten arbeiteten. D. h. die Arbeiter wurden in einer Art Taucherglocke zum Grund gelassen, wo sie dort am relativen Wasser freiem Grund ihre Arbeit verrichten konnten. Um nicht den Erstickungstod zu verfallen, wurde von der Wasseroberfläche über ein Schlauchsystem ständig Frischluft durch einen Kompressor in die Glocke geleitet. Das waren die Caissonsarbeiter, die aber auf Grund der Unkenntnis der Wissenschaft, klagten die meisten Männer an einer Vielzahl von Symptomen, wie Hautjucken, einen roten Ausschlag, starke Kopfschmerzen und Beeinträchtigung der Sehkraft. Ihre Gelenke taten so weh, dass sie vor Schmerzen schrieen, und häufig verloren sie jedes Gefühl in den Beinen. Häufig waren die Männer auch gelähmt. In schweren Fällen verstarben sie in der darauf folgenden Nacht.
Den Ärzten gab die Krankheit Rätsel auf, denn einige Männer konnten mehrer Stunden in den Caissons arbeiten und hatten keine Probleme, während andere unter denselben Bedingungen schon nach kurzer Zeit zusammen brachen.

Im laufe der Zeit bemerkten die Ärzte und Ingenieure, dass die Arbeiter die länger in den Caissons sich aufhielten und eine langsame Druckentlastung wären des Aufstiegs an die Wasseroberfläche unterzogen, weniger Symptome der Dekompressionskrankheit hat.

Robert Boyles machte schon 200 Jahre zuvor die Entdeckung mit einer Viper die er in einen pneumatischen Behälter unter Druck setzte, und bei Druckentlastung eine Blase in Ihrem Auge sehen konnte. Diese Blase war eine Stickstoffblase die sich im Auge der Viper entwickelt hat.

An sich richtet der Stickstoff im Gewebe keinen Schaden an und ist auch nicht spürbar, aber wenn der Druck nachlässt, löst es sich in Form von Bläschen. Diesen Vorgang kann man auch an einer Flasche mit kohlensäurehaltigem Wasser beobachten. Dreht man den Verschluss auf, blubbert das Gas an die Oberfläche. Bei einem zu schnellen Nachlassen des Drucks werden im menschlichen Körper relativ groß Bläschen gelöst, und wenn diese in unser zentrales Nervensystem gelangen, verursachen sie Schädigungen der Nerven und des Gewebes, die zu den beschriebenen Symptomen der Dekompressionskrankheit führen.
In den 1870er Jahren entwickelten mehrere Ärzte Dekompressionskammern für die Caissonarbeiter. Diese Druckkammerfahrten mit den erkrankten Arbeitern verliefen nach individuellen Schätzungen von Dauer und Tiefe des jeweiligen Arztes. Manche Arbeiter wurden dadurch geheilt und für manche war es nur eine Linderung der Schmerzen. Erst 20 Jahre später wurde ein sicheres Dekompressionsverfahren entwickelt.

Haldanes Arbeit umfasste sämtliche mit der Atmung verbundenen Physiologischen Vorgänge, und er schreckte auch nicht davor zurück, selbst Versuchskaninchen zu spielen. Haldane ist die grundlegende Entdeckung zu verdanken, dass die Atmung durch das Ansteigen der Kohlendioxidmenge im Blutkreislauf stimuliert wird. Aufgrund seiner Kenntnisse über Atemgase und die menschliche Atmung war er dafür prädestiniert, sich das Probleme der Stickstoffabsorption im menschlichen Körpergewebe anzunehmen.

Paul Bert hat die Ursache der Dekompressionskrankheit schon 30 Jahre zuvor bestimmt.

Bei der Entwicklung seiner Theorie der Stufenweisen Dekompression hat Jahn Scott Haldane zwei wichtige Gesetze der Physik, die beide im 18. Jahrhundert aufgestellt worden waren, auf das Problem der Dekompressionskrankheit angewandt. Das Daltonsche Gesetz besagt, dass der Gesamtdruck in einem gegebenen Luftvolumen gleich der Summe der Partialdrücke der einzelnen Gase ist. Mit anderen Worten, der Druck einer Atmosphäre Luft entspricht der Gesamtmenge des Drucks von Sauerstoff, Stickstoff und allen anderen Gasen, die sich in der Luft befinden. Jedes Gas steuert seinen Gesamtdruck bei.

Henrys Gesetz wiederum besagt, dass die Menge des Gases, die sich in einer Flüssigkeit lösen kann, proportional zum Druck dieses Gases ist. Wenn sich der Druck beim Tauchen erhöht, löst sich daher mehr Gas im Blut und findet von dort aus seinen Weg ins Gewebe.