Wracktauchen an der Milford Haven

Wir tauchten vom 15. bis 17.10.2009 von dem DIVING CENTER HAVEN ARENZANO im Jachthafen in Genua
Von dort ging es mit dem Schlauchboot 300 PS und Besatzung die sich um die Taucher kümmerten in ca. 5 – 8 Minuten an die Milford Haven, die mit zwei Bojen gekennzeichnet ist. Bevor wir uns rückwerts ins Wasser fallen ließen, legte uns die Besatzung die Stage Flaschen an. Auf Grund der Tiefe, tauchten wir alle mit Trimix und Kreislaufgeräten. Im Wasser angekommen, tauchten wir an dem Bojenseil ab zum Deck der Aufbauten des Schiffes, das in 32 Meter begann. Von dort gieng es Richtung Heckseite zum Schiffsdeck, das in ca. 50 Meter liegt. Zwischen den riesigen Aufbauten und dem großen Schornschtein richtung Heck ist eine Luke ca. 5 auf 5 Meter von dieser man in die Maschinenräume gelangt. Obwohl die Sichtverhältnisse sehr gut war ca. 30 – 40 Meter betrug die Sicht im Maschinenraum nur ca. 2 Meter. Deshalb machten wir bei unserem ersten Tauchgang eine Umrundung der riesigen Aufbauten auf Deck des riesigen Schiffes. Die Kraft der Zerstörung bzw. der Explosion vor 20 Jahren ist deutlich zu sehen. Als wir wieder am Deck zwischen Schornstein und Aufbauten angelangten, stiegen wir 40 Meter auf und schwammen in die Aufbauten hinein. Wir gelangen zur Kapitänsbrücke. Durch eine Türrahmen gleiten wir in die einstige Schaltzentrale des Chiffes der VLCC Klasse. Verry Large Crude Carrier heißt das Kürzel. Schiffe dieser Größenklasse passen nicht mal mehr durch den Suezkanal, und müssen von Arabien nach Europa den ganzen afrikanischen Kontinent umfahren.
Als wir durch die Türen und Gänge getaucht sind, versuchte ich mir vorzustellen, wer einst dort wohl entlang gelaufen ist und wie der alltägliche Arbeitstag dort ausgesehen hat. In der mitte des Raumes steht ein kleines Podest mit einer noch kleineren Statue darauf. Es ist eine Nachahmung des Prager Jesuleins aus der Santuario di Gesú Bambino in Arenzano. Das weltbekannte Original wird in der Prager Kirche Santa Maria di Victoria dar gestellt.
Auch am zweiten und dritten Tag machten wir im Grunde die gleichen Tauchgänge, aber es gab immer wieder neues zu entdecken, wie z. B. die riesigen und langen Rohre von den Aufbauten richtung Bug, wo bei man das ganze Schiff gar nicht auf einmal überblicken kann da es eine länge von 239 Metern hat und eine Höhe eines 18 – stöckegen Hauses. Selbstverständlich erkundeten wir den Schornstein in richtung Heckbereich, der allerdings gekappt wurde, so dass die großen Kontänerschiffe nicht an ihm kolledieren. Das Tauchen an der Haven ist auf alle Fälle ein Reise wert. Nicht um sonst kommen Tec Diver aus allen Herrn Länder um dort in Ligurien zu tauchen. Die Haven wird ehrfurchtsvoll die Königin des Mittelmeeres genannt.
Am 11. April 1991 um 12:40 Uhr riß die Explosion den 47-järigen Käpten und vier seiner Seeleute in den Tod. 32 Männer der 37-köpfigen Crew aus Griechenland, Philippinos, Inder und Sri Lanker überlebten die Katastrophe.
Der Himmel brennt, bis zu 400 Meter schießen die Flammen in die Höhe und eine tiefschwarze, giftige Rauchwolke erstreckt sich bis in die Stratosphäre.
Am 12. April 1991 um 13:20 Uhr reißt der Bug des Schiffes vollständig ab und versinkt für immer in einer Tiefe von 460 Meter. Das Schiff schwimmt nur noch auf Grund der großen Tanks die zuvor in Genua gelöscht wurden. Statt 300 Meter beträgt das Schiff nun nur noch ein beachtliche Länge von 239 Meter. Das noch schwimmende und brennende Schff wurde in Richtung Hafen von Genua mit Schleppern gezogen wo es dort seine letzte Reise in 80 Meter Tiefe beendete. Die Küste ist vor Ligurien über Monaco bis hin zur Cote d´Azur, auf über 100 Kilometer verseucht. Engagierte Tierschützer haben monatelang um das Überleben der ölverschmierten Vögel gekämpft. Für viele Tiere kommt jede Hilfe zu späht.
2008 saugten Spezialtaucher der Rotterdamer Firma Smit´s World in einer einzigartigen Aktion die noch verbliebenen 3000 Tonnen Rohöl aus den versunkenem Wrack der Haven. Es sind über 90.000 Tonnen Rohöl verbrannt, ca. 16.000 Tonnen sind verdampft und ca. 1.500 Tonnen werden bis an die Französische Riviera gespühlt, lediglich 2000 Tonnen können von der Oberfläche gefischt werden und 5000 Tonnen trieben auf das offene Meer. Über 500 Mio. EURO hat dem Italienischen Staat der Untergang gekostet.
Ursprünglich sollte der Tanker nach einem schweren Raketentreffer im Iran-Irak-Krieg schon längst verschrottet werden. Die familieneigene Troodos Shipping lies ihn doch wieder in Asien reparieren. Man vermutet, dass auf Grund der unsachgemäßen Reperatur das Inferno zustande gekommen ist. Bei Gerichtsverhandlungen sollen Zeugen bestochen und sogar bedroht worden sein. Die beiden Zyprischen Milliardäre wurden in letzter Instanz freigesprochen und das erschreckenste ist, dass das heutige easy-Jet Imperium Gründer Stelios mit seiner Billig-Airline Taucher zur Haven fliegt.
Das tauchen an der Milford Haven ist ein absolutes Muss für jeden Tec Diver oder der es werden möchte, denn die Aufbauten des Schiffes sind schon allein sehenswert.